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Aus dem Archiv der ExtraTip Mediengruppe
vom 28.09.2009


Einmal Externsteine und retour

Die drei Kumpels und ihre Bikes. Fotos: nhWaldhessen. Auf eins ist bei Kumpel Nummer zwei absolut Verlass: Der Junge kommt immer zu spät. Dumm nur, dass man nie weiß um wie viel zu spät man selber zu spät kommen kann, damit man noch pünktlich vor ihm da ist…

Halb zwei in der Kurve – so lautete unsere Verabredung. Wer nicht da ist, ist Kumpel Nummer zwei und so wartet man eine Stunde vergebens, bis endlich, aus Hauneck kommend, die R 1150 RT in Silber auftaucht. Und los geht’s. Einmal Externsteine und retour – das ist das Motorrad-Pogramm für Freitag bis Sonntag.

Kühl ist es, regelrecht kalt. Echte Biker kennen zwar keinen Schmerz, aber vorsichtshalber wurde doch lieber die langärmelige Unterhose angezogen. Darüber das Gorotex-Gerödel, zwischen den Beinen die BMW und ab geht’s.

Wir haben Zeit. An Tag eins ist der Weg das Ziel. Wir sind mit Kumpel Nummer drei um sechs Uhr im Gasthaus „Zum Aseltal“ in Vöhl-Asel am Edersee verabredet. Wir kommen getrennt, denn Kumpel Nummer drei muss noch Unterricht machen. Er ist Lehrer und versucht, den Pisa-Lümmeln was beizubringen. Sisyphos lässt grüßen.

Apropos Grüßen – das lässt auch immer mehr nach, je älter die Saison wird. Dabei ist es doch Ehrensache, dass sich Biker grüßen. Natürlich nicht alle jeden. Beispielsweise werden Mädchen auf Mädchen-Mopeds grundsätzlich nicht gegrüßt. Nicht mal versehentlich darf eine Virago gegrüßt werden, denn das bedeutet mindestens eine Strafrunde am Abend. Das fehlende Grüßen der extravaganten Harley-Fahrer wird geflissentlich übersehen… Dabei ist es doch ganz einfach, denn die Frage, wer zuerst grüßt, ist abschließend entschieden: Es grüßt immer der Biker zuerst, der rechts fährt! Klare Kiste.

Wir fahren rechts. Und wir grüßen. Rechterhand grüßt der Eisenberg zurück, als wir uns durch die Schwalm auf kleinen Nebenstraßen langsam ins Waldecksche vorarbeiten. Arbeiten ist der richtige Ausdruck, denn die Straßen sind zum Teil unter aller Kanone. „Straßenschäden“ ist bestimmt das inzwischen meist verkaufte Straßenschild… Wir hassen es!

Skat...Immerhin, nach einer zünftigen Brotzeit in der Schwalm und einige hundert dutzend Schlaglöcher später schieben wir die Mopeds in die Garage des Gasthofs. Sabine, eine ausgesucht leckere Vertreterin holder Weiblichkeit, ist das Thekenkollektiv. Sie zapft schon mal zwei Bier an und lächelt sich in unsere Herzen. Biker haben ja bekanntermaßen weite Herzen und schwupp ist Sabine drin. Mit ihrem Knackärschchen und dem herzerfrischenden Lächeln und den großen Augen kein Wunder.

Und dann ist es so weit, Kumpel Nummer drei rollt mit seiner Vierzylinder BMW in die Garage. Wird auch Zeit, dass der Bergaufbremser beikommt. Skat zu zweit ist nicht so dolle! Mit einer Freibierrunde versucht er sich einzuschleimen – und es gelingt ihm auch. Klasse Stimmung, die Straßenkarten werden ausgebreitet und die Tour vom Samstag besprochen. Zwischendurch vereinbaren wir mit Sabine, dass sie mal so lange Bier beibringt, wie ein Glas leer ist. Funktioniert perfekt und hübscher wird sie auch laufend…

Lecker Schnitzel.Schnitzel müssen dünn und dunkelgoldbraun sein – immer dasselbe Lied mit dem Kumpel, der der Schnitzelheini ist. Inzwischen hat der sogar ein Musterbild dabei – der schreckt vor nichts zurück. Also zwei Mal Rumsteak mit Pfeffersoße und ein Schnitzel wie immer – vom Essen her ist das Gasthaus sehr zu empfehlen. Vom Bier her auch. Von Sabine her ganz besonders und die übrigen Gäste sind auch alles klasse Leute. Besonders die vier älteren Herrschaften am Nachbartisch entpuppen sich als ausgesucht freundliche und lachfeste Senioren… der Skat läuft… das Bier auch… dann stockt der Skat… Bier geht auch immer langsamer… schnarch und Co

Die Externsteine bei Detmold.Die Externsteine bei Detmold.War Freitag noch der Weg das Ziel, so ist Samstag das Ziel das Ziel. Ziel eins: Tante Marga in Lichtenau mit Kaffee und Kuchen, Ziel zwei , Ziel drei das Hermannsdenkmal da umme Ecke und Ziel Nummer vier als Hauptziel des Tages: Landgasthaus „Zur Brücke“ in Lippoldshausen. Hannoversch Münden liegt bei Lippoldshausen. Nur mal so zur Orientierung. Das ist da, wo die Weserquelle ist… etwa…

Wir haben ja vier eiserne Grundsätze beim Mopedfahren:

1. Wir fahren immer um 10.00 Uhr ab
2. Egal wie spät das ist
3. Wir fahren immer erst los, wenn alle nüchtern sind und
4. fahren wir immer um 10.00 Uhr los !

Jawoll. Genau so machen wir das am Samstag auch. Pünktlich um 10.71 Uhr geht es ab auf die Piste. Durch den Naturpark Diemelsee, an dem gleichnamigen Stausee vorbei cruisen wir nach Lichtenau. Die Tante vom Kumpel wartet seit halb 12.00 Uhr auf uns und wir sind dann auch pünktlich eine Stunde zu spät da. Die Stunde schleppen wir vom Vortag noch mit rum… 

Die Brotzeit ist klasse, der Schwiegersohn ist ebenfalls Biker und es findet sich schnell eine Schraubergemeinschaft. Viel Zeit haben wir allerdings wenig. Wir wollen die Externsteine besichtigen. Das ist eine markante Sandstein-Felsformation im Teutoburger Wald und eine herausragende Natursehenswürdigkeit in Deutschland. Sie befinden sich im Horn-Bad Meinberger Stadtteil Holzhausen-Externsteine im Kreis Lippe im Nordosten von Nordrhein-Westfalen.

Die Kumpels vor dem ollen Hermannsdenkmal. Foto: nhGeile Gegend. Tolle Felsen. Was willst Du im Yellostone-Nationalpark, hier im Teutoburger Wald hast Du das Ganze in Natur pur… Gut. So, das haben wir auch, weiter geht’s, zum . Ist da bei Detmold umme Ecke, genauer gesagt in der Nähe von Hiddesen südwestlich von Detmold in Nordrhein-Westfalen im südlichen Teutoburger Wald. Dort steht es auf dem stark bewaldeten und 386 Meter hohen Teutberg in der darauf gelegenen Ringwallanlage, die Grotenburg genannt wird.

Das Denkmal soll an den Cheruskerfürsten Arminius und die so genannte Schlacht im Teutoburger Wald erinnern, in der germanische Stämme unter Führung von Arminius den römischen Legionen unter Publius Quinctilius Varus im Jahre 9 n. Chr. eine entscheidende Niederlage beibrachten. Der Erbauer Ernst von Bandel ging davon aus, dass die Schlacht im Teutoburger Wald stattgefunden habe. Die Wahl auf die Grotenburg fiel allerdings aus praktisch-ästhetischen Erwägungen. Der lippische Fürst wollte den Bauplatz nur unter der Bedingung zur Verfügung stellen, dass das Denkmal auf der Berghöhe errichtet würde, da es von hier aus weithin über Lippe sichtbar wäre. Steht so bei Wikipedia. Echt!

Also so von unten betrachtet ist das Denkmal donnerwetter groß. Größer als wir. Na gut, wir setzen uns davor, nötigen einen Touri zu einem Foto und eine ältere Dame kommentiert das Ganze mit der Bemerkung: „Drei Hermännchen und ein Hermann“ …  hat die Glück, dass sie keine Harley fährt, das hätte sonst eine wüste Sauferei gegeben als Wiedergutmachung… falls das überhaupt geht…

Es geht, und zwar weiter. Wir haben noch geschätzte 147,4 Kilometer vor uns bis zum Landgasthof „Zur Brücke“. Und es ist schon fast 16.00 Uhr. Also dann mal los. Für 1,33 Euro tanken wir. Hier sollte man öfter mal zum tanken herfahren… ist echt billiger als bei uns. Ab geht die Post. Die drei BMW, eine K 1200 RS, gedrosselt auf 98 PS, eine R 1150 RT mit Boxermotor und das geilste Teil der Truppe, eine R 1200 C Montauk, die mit dem dicken Vorderrad, und natürlich auch Boxer, ziehen elegant durch die Kurven. Verdammte Schlaglöcher. Straßenbauer, die so was bauen, gehören unter die Erde…

Foto: nhDas Gefährlichste beim Biken, das sind ja bekanntlich die Autofahrer. Wenn Du eine lange Gerade siehst, bei der in der Mitte eine Straße einmündet und es steht dort ein PKW, dann mach lieber eine Notbremsung. Es kracht mit tödlicher Sicherheit und Du landest im zweiten Untergeschoss der Pathologie des nächsten  Krankenhauses und füllst die Organspende-Datenbank auf mit Hornhaut, Nieren und Herz… Leber natürlich nicht…

Also schön vorsichtig, auf keinen Fall schneller fahren, als der Schutzenge fliegen kann.

Kalt zieht der Abend herauf, als die letzten Kurven zur „Brücke“ gerollt werden. Sehr nette Unterkunft. Die Chefin wiegt ihr kleines drei Monate altes Baby namens Hendrik und lächelt freundlich. Oma hilft mit, die Bedienung ist verlockungsfrei und wir können uns den wichtigen Dingen des Lebens widmen: Schnitzel bestellen, Bier ordern, Skatblatt raus und dasselbe Programm wie Freitagabend. Nur schneller fertig.

Dann ist Sonntag. Diesmal starten wir pünktlich um 10.00 Uhr. Genauer gesagt 10.93. Ab geht die Post, wir wollen durchs Thüringische wieder Heim nach Bad Hersfeld. An Friedland geht es am Heimkehrerdenkmal vorbei, Heilbad-Heiligenstadt durchfahren wir, wir stoßen auf Eschwege und kehren kurz vor Cornberg in einem Straßengasthof ein auf ein Süppchen mit Malzbier und Apfelschorle. Abschlussjause.

Super Tour. Dass es anfängt zu regnen, ist vollkommen überflüssig. Aber da musst Du durch, das bisschen Regen macht uns nur noch… nasser, richtig. Egal, kurz vor Bad Hersfeld klart es kurzfristig auf und wir verabschieden uns. Kumpel Nummer drei rückt ab ins Rhein-Main-Gebiet, Kumpel Nummer zwei rollt nach Fulda und die Montauk kommt in die Garage in Bad Hersfeld-City.

Klasse Tour. Einmal Externsteine und zurück. Kultur prall, deutsche Geschichte massiv, abgerundet mit lecker Radeberger. Sehr empfehlenswert, die Strecke.

 


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